Entspannung

Entspannung ist Prävention

Grundlagen

Prävention bedeutet allgemein, Maßnahmen vorbeugend zu ergreifen, die verhindern, dass unerwünschte Folgen und Entwicklungen eintreten. Im gesundheitlichen Bereich meint dies die Vermeidung von Krankheit und Schmerz. Viele Faktoren wirken sich ungünstig auf die Gesundheit aus: eine ungesunde Ernährungsweise, mangelnde Bewegung, unvorsichtiges, risikoreiches Verhalten oder auch ein schlechter, unsensibler Umgang mit den eigenen körperlichen und psychischen Ressourcen. Diese Bereiche summieren sich, und das Deutsche Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik (DKGD) setzt sich dafür ein, dass all die genannten Gebiete gleichermaßen ernst genommen und ausschließlich kombiniert berücksichtigt werden. Kein Bereich kann wirkungsvoll positiv beeinflusst und nachhaltig gesundheitsförderlich verändert werden, werden die anderen Bereiche außer Acht gelassen. Entspannung alleine tritt auf der Stelle und kann nur kurzfristig Stress abbauen und Wohlergehen erzeugen. Bei schlechter Ernährungsweise und missachtendem Umgang mit dem eigenen Körper und seiner Fitness ist jede Ausführung einer Entspannungstechnik bloßer Tropfen auf einen ungesunden Stein. Jede Technik bleibt dann bloße Technik und führt nicht dazu, wohin Entspannung führen kann und will: zu einer gelasseneren, achtsameren und wertschätzenderen Haltung sich selbst, dem eigenen Körper, dem Umfeld und dem Leben gegenüber. All das hängt zusammen und muss gemeinsam betrachtet werden. Andererseits öffnet gerade Entspannung den Blick für die anderen Bereiche – für die eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnisse. Ein entspannter Mensch achtet sich und seinen Körper – also auch seine Ernährungsweise und Bewegung. Fasst man Entspannung als weiteren Begriff, ist all dies Teil von ihr.

Stress ist allgegenwärtig. Die eigenen Ressourcen werden ständig über ein gewisses Maß strapaziert und ans Limit und darüber hinaus getrieben. Das löst enormen Stress aus – körperlich wie auch psychisch. Die Menschen überfordern sich und laden sich damit eine große Last auf. Meist liegen die Ursachen für Stress in dem Menschen selbst, selten im Außen, selten ist der Mensch einfach nur Opfer. Selbst wenn ein Berg schier unüberwindbarer Aufgaben auf den Menschen lauert, ist es an ihm, seine Grenzen wahrzunehmen, ernst zu nehmen, eine klare, gesunde Distanz zu den Dingen aufzubauen und gut mit sich umzugehen. Nichts funktioniert mehr, sind die eigenen Grenzen überschritten und die Kraftreserven – körperlich und psychisch – aufgebraucht. Kein Mensch kann sich einbringen, engagieren, Leistung bringen oder einfach nur ein gesundes Leben führen, wenn die eigenen Reserven nicht gefüllt sind, die eigenen Bedürfnisse und Ziele missachtet werden und schließlich stressmitbedingte Krankheiten entstehen. Das DKGD setzt sich dafür ein, dass die Menschen die Verantwortung für ihre eigene ganzheitliche Gesundheit übernehmen und sich für sie und sich selbst einsetzen. Statt nach außen Forderungen zu stellen – an andere, die mehr Rücksicht nehmen sollen, an die Gesellschaft und Krankenkassen, die mehr zahlen sollen – sollte jeder Mensch für sich selbst handeln und sich klar über die Konsequenzen seines eigenen Handelns werden. Die eigenen Bedürfnisse – wozu auch die reinen Grundbedürfnisse wie ausreichender Schlaf, eine gesunde Ernährungsweise, frische Luft und eine gesunde Bewegung gehören – müssen wertschätzend geachtet werden, nicht gegen andere behauptet, sondern für sich erfüllt sein. Nur dann entsteht mehr Gesundheit.

Es gibt vielerlei Stressfallen. Bei Umfragen ist der Terminkalender mit seinen Pflichten, Planereien und Aufgaben der dabei meist genannte Stressfaktor. Doch zu den Stressoren zählen noch andere Dinge – physikalische, äußere Faktoren wie Temperatur, Raumklima, Lichtverhältnisse, Lärm etc., und emotionale, innere Stressoren wie eigene Einstellungen, Erwartungen und Befürchtungen. Es gibt eine ganze Liste psychosozialer Stressfaktoren: von Termindruck, Zeitmangel und Lärm über Schulden, Schichtarbeit, Über- und Unterforderung im Beruf, Langeweile, große Verantwortung, Mobbing und Angst zu versagen, nicht zu genügen, soziale Isolation, Reizüberflutung bis hin zu Schlafmangel, Krankheiten, Schmerzen, Konflikten und existenziell Ereignissen wie Prüfungen, Operationen etc. Die Liste könnte noch weitergeführt werden, denn jeder Mensch hat seine ganz eigenen, individuellen Stressoren. So muss auch jede Entspannung individuell angepasst und gestaltet werden. Hierfür setzt sich das DKGD ein – für flexible, individuelle Formen der Entspannung. Es muss mehr konkrete Beratungsstellen für Entspannung geben. Jeder Einzelne braucht seine eigene Entspannung. Oft werden Menschen mit Büchern oder Kursen überfrachtet und überfordert. Das Angebot muss individuell zugeschnitten und alltagsumfassend und -tauglich sein, damit es umsetzbar und damit effektiv und gesundheitsfördernd ist. Hierfür bedarf es einer gezielten Beratung.

Alles kann Stress auslösen. Alles, was überfordert, was zu viel ist und andererseits, was zu wenig ist, was fehlt, woran es einen Mangel gibt. Letztendlich sind es eigene Verhaltensweisen, die den Menschen stressen:
- Er stresst sich durch zu viel Hektik, Nervosität, Angespanntsein, Druck und durch zu wenig klar gesetzte Grenzen.
- Er stresst sich durch eine falsche Auswahl von Prioritäten, übernimmt Verantwortung, wo sie nicht gefragt ist, stellt andere und anderes an erste Stelle über die eigene Person und gibt Verantwortung ab, wo sie angebracht wäre, ignoriert eigene Bedürfnisse.
- Er stresst durch Puschen mit Kaffee, Zigaretten, Alkohol, durch eine Reizüberflutung am PC, vor dem Fernseher, wobei möglichst vieles gleichzeitig geschieht, durch ein Mangel an gesundem Umgang mit dem eigenen Körper.
- Er stresst durch einen hohen Anspruch an sich selbst oder auch andere, ist Perfektionist, Zerdenker und leidet unter Opfer-Gefühlen.

Körper und Psyche reagieren auf Stress. Sie fühlen sich bedroht und stellen auf Alarmbereitschaft, um angemessen auf die Bedrohung, die Gefahr reagieren zu können. Stresshormone werden ausgeschüttet, die Atmung wird flach, hektisch und kurz, Pulsfrequenz und Blutdruck steigen, und der Mensch ist bereit zur Flucht oder zum Kampf, entsprechend fühlt er sich getrieben, nervös oder aggressiv. All das sind automatische, unbewusste Prozesse.
All dies hat unmittelbare und langfristige negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Stress fördert die Entstehung und Ausprägung von Krankheiten. Er löst unmittelbar körperliche und psychische Reaktionen aus: Emotionen wie Angst, Traurigkeit, Ärger, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, ein stärkeres aggressives Verhalten, Gereiztheit und Müdigkeit. Durch die Überbelastung innerer und äußerer Reize spart auch unser Gehirn Energie ein, um so viel wie möglich dem Umgang mit der Belastung zur Verfügung zu stellen. Als Folge davon entstehen Verwirrung, Vorurteile, Konzentrationsmangel und Vergesslichkeit. Das Verhalten ist geprägt durch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, sozialem Rückzug, verminderter Kreativität und Aktivismus. Auch der Körper zeigt Folgen des Stresses: Von Übelkeit, Atemlosigkeit, Magen- und Darmproblemen über Haarausfall, einem schlechten Hautbild und rötlichen Augen bis hin zu Herzstechen und Schwächung des Immunsystems, was schnell zu hartnäckigen Infekten führt. Der Verdauungsprozess kann auf diese Weise langfristig gestört und der Blutdruck deutlich erhöht werden. Dadurch steigt das Risiko eines Herzinfarktes und eines Schlaganfalls. Umso intensiver und langfristiger die Menschen Stressoren ausgesetzt sind, desto empfänglicher werden sie dafür. Es entsteht ein Stressteufelskreis – er wird immer schneller und stärker empfunden. Stress löst weitere Emotionen aus, wie Ärger und Angst, die ihrerseits stressen und so fort. Einerseits der emotionale sowie soziale Stress und andererseits die körperlichen Fehlhaltungen, Schmerzen und Stress verstärken sich gegenseitig. Wichtig ist es, den Zusammenhang zwischen Körper und Psyche zu erkennen und stets beide Komponenten gleichermaßen zu achten und präventiv vor Stress und seinen Folgen zu schützen.

Stress ist alltäglich, er ist normal und anerkannt. Oft ist ein hoher Einsatz gefordert und ein Rückzug oder ein Grenzensetzen wird als Schwäche oder Feigheit ausgelegt. Selbst alarmierende Symptome wie andauernde Müdigkeit, Schlafstörungen oder Übelkeit werden häufig ignoriert, verharmlost oder rationalisiert. Es werden andere Gründe als Ursache gesucht, deren Akzeptieren leichter fällt, sodass der Mensch an seinem Leben nichts ändern muss. Meist liegen diese Gründe im Außen, in wenig oder gar nicht beeinflussbaren Dingen. Doch wenn die Ursachen für Stress-Symptome nicht beim Menschen selbst liegen, wird er nichts oder nur sehr wenig ändern können. Und das hat böse Folgen. Das DKGD verweist auf die ureigenen Ursachen, die im Menschen selbst, in seinem Verhalten und in seinem Handlungsspielraum liegen. Da lässt sich ansetzen und intervenieren und schließlich etwas ändern.

Entspannung bedeutet Ent-Spannung, also ein Abbau und eine Vermeidung von allem, was spannt und verspannt, sowie eine Betonung von allem, was stärkt, motiviert und löst. Körperlicher, sozialer, psychischer und äußerer Druck müssen abgebaut und die eigenen Potenziale, Ressourcen und Kräfte mobilisiert werden. Der Freizeitbereich und mit ihm alles, was auf diese Weise gut tut, ein Gefühl von Wohlbehagen auslöst, niemandem schadet, uns gleichmäßiger atmen lässt, baut Stress ab und erfrischt, beruhigt und erholt uns.
Entspannung ist jedoch anders als die Erholung weniger allgemein, sie ist zielgerichtet und kann gezielter, effektiver und nachhaltiger Stress und Spannungen abbauen. Dabei hat der Entspannende auch die Möglichkeit, sich mit dem, was ihn anspannt und stresst auseinanderzusetzen, was bei Freizeitbeschäftigungen nicht in diesem Maße stattfindet. Entspannung ist – anders als es zunächst scheint und oft falsch eingeschätzt wird – ein aktiver und bewusster Vorgang und nicht gleichzusetzen mit Ablenkung. Entspannung hat einen nachhaltigen und langfristigen Wert. Dieser Wert ist dem DKGD besonders wichtig.
Jeder kann lernen, seine Kraft gesund einzuteilen, sinnvoll einzusetzen, zu erkennen, was wichtig für ihn ist und was nicht. Jeder kann entspannt leben – in akuten Stresssituationen oder langfristig. Wichtig ist die Balance zwischen Aktivität und Passivität, zwischen Kraft und Ruhe, zwischen Auspowern und Stille. Die Betonung einer Seite führt zu Stress und ist ungesund. Aus der Balance heraus gelingt es dann, einen angemessenen Umgang mit sich selbst und den eigenen Kräften zu finden. Es gibt immer beides – Anspannung und Entspannung.

Entspannung ist lernbar. Als Methoden zur Entspannung mit wissenschaftlicher Anerkennung gelten insbesondere das Autogene Training und die Progressive Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson; für beide gibt es ein flächendeckendes Kursangebot. Hierfür tragen die Krankenkassen oftmals (teilweise) die Kosten. Und mit diesen Methoden lässt sich aktiv etwas für die eigene Gesundheit tun – im Zusammenschluss mit einer gesunden Ernährungsweise und ausreichender Bewegung. Entspannung ist eine hohe Achtsamkeit, eine gesunde Aktivität, ein bewusster Umgang mit sich, dem eigenen Körper und den eigenen Ressourcen.

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