Fragen an Dr. Mathias Schmidt

Fragen an Dr. Mathias Schmidt

1. Ohne was können Sie nicht leben?

Bücher. Ich habe keine spezielle Präferenz für die Richtung, aber gut geschrieben müssen sie sein. Ich ärgere mich über schlechte Übersetzungen und Handlungen mit Logiklöchern, aber freue mich über die facettenreiche Sprache einer Isabel Allende oder die perfekten Hintergrundrecherchen eines Frederick Forsyth.

 

2. Haben Sie viele Freunde?

Wenn ich so darüber nachdenke: eigentlich nicht. Tatsächlich gibt es sehr wenige Menschen, die ich als echte Freunde betrachte. So paradox es klingt: Echte Freunde muss man nicht regelmäßig treffen. Ein echter Freund ist für mich einer, den ich nach Jahren wieder sehe, und man hat das Gefühl, dass die letzte Begegnung erst gestern war.

 

3. Wer ist Ihr größtes Vorbild?

Da muss ich passen. Ich versuche mich eben nicht an Vorbildern zu orientieren – das ergibt nur eine – zumeist schlechte – Kopie.

 

4. Warum engagieren Sie sich beim Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik?

Ich engagiere mich, weil ich der Überzeugung bin, dass dem hirnlosen Nachbeten von angeblich etabliertem Wissen, wie es in der Öffentlichkeit leider zu häufig praktiziert wird, die Fakten entgegengestellt werden müssen. Auch wenn das manchmal unbequem ist, und man sich damit wenig Freunde schafft. Aber man kann eben nicht jedermanns Liebling sein – dann macht man etwas grundlegend falsch.

 

5. Was mögen Sie nicht?

Ich kann nicht verzeihen, wenn Meinungsbildung durch regelmäßig wiederholte Darstellung falscher Tatsachen stattfindet, wie es zum Beispiel in den politisch gesteuerten Kampagnen gegen meinen Berufsstand (ich bin Apotheker) regelmäßig erfolgt, aber auch in der Bewertung des Nutzen-Risiko-Profils von Arznei- und Nahrungsmitteln beobachtet wird. Ich mag es auch nicht, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich mag es ganz besonders nicht, wenn Informationen aus politischen Erwägungen und nicht auf der Basis der Fakten gestreut werden, unabhängig von Wahrheitsgehalt. Ich mag keine Engstirnigkeit, die sich zum Beispiel im Ignorieren von Erkenntnissen aus anderen Ländern äußert, nur weil diese nicht in deutscher oder englischer Sprache publiziert sind.

 

6. Was mögen Sie?

Urteile und Meinungsäußerungen, die auf eine gründliche Recherche schließen lassen. Leider ist dies heute eher die Ausnahme.
Die Tatsache, dass mein sechsjähriger Sohn pünktlich um 18.30 Uhr mein Büro stürmt, um mir klar zu machen, dass es auch andere Dinge im Leben als nur die Arbeit gibt. Die Tatsache, dass keine zwei Minuten später meine dreijährige Tochter unter lauten Rufen „Papa, ich komme!“ ebenfalls die Treppe herunter poltert, um sich mir in die Arme zu werfen. Das entschädigt für jeden Ärger des Arbeitsalltags.

 

7. Was ist Ihr Antrieb?

Mein Antrieb ist, so gut zu sein wie meine Erwartungen an mich selbst. Da das nie erreichbar ist bzw. sich diese Erwartungen mit den erreichten Zielen fortentwickeln, ist kein Stillstand zu befürchten.

 

8. Welche Fähigkeiten hätten Sie gerne?

Mehr Sprachkenntnisse. Ich spreche Französisch und Englisch fließend, Spanisch geht so, mit Arabisch habe ich erst vor Kurzem angefangen. Sprachkenntnisse sind für mich die wichtigste Voraussetzung nicht nur für die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen (was auf meinen Reisen immer von Vorteil war, allein schon um das Bild des Deutschen in der Meinung des Auslands zu korrigieren), sondern auch für die tägliche Arbeit. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir nicht der Nabel der Welt sind, und auch aus anderen Kulturen interessante Ideen, Anregungen und Forschungsergebnisse kommen.

 

9. Welche Hobbys haben Sie?

Reisen, Fremdsprachen lernen und Literatur in der Originalsprache lesen.

 

10. Was ist Ihr persönlicher Lebenstraum?

Finanziell unabhängig zu sein, damit ich meinen Ideen zu Forschungsvorhaben unbegrenzt nachgehen kann. Aber das wird wohl immer nur ein Traum bleiben.

 

11. Was ist Ihre größte Stärke?

Ausdauer, die Fähigkeit, schnell und dennoch exakt zu arbeiten, und logisch-analytisches Denken, zudem Sprachfähigkeit. Das gestattet mir, erfolgreich Projekte anzugehen, deren schiere Größe erst einmal Verzweiflung auslösen sollte.

 

12. Was ist Ihre größte Schwäche?

Ungeduld mit Mitmenschen, vor allem in Zeiten von Hektik. Die Unfähigkeit, Gefallen an allzu menschlichen Aktivitäten zu finden, wie z.B. Smalltalk oder „fröhliches“ Beisammensein. Wer mich quälen will, der lädt mich zu einem „Event“ ein, bei dem ich gezwungen bin, den ganzen Abend mit Leuten, die mich nicht interessieren, dummes Zeug zu plappern. Für mich reine Zeitverschwendung, aber sicherlich eine meiner größten Schwächen.

 

13. Wen hätten Sie gerne getroffen?

Niemanden. Das hat einen einfachen Grund: Idole entpuppen sich bei näherem Hinsehen zumeist als Seifenblasen, weil wir alle nur Menschen sind. Manchmal ist es besser, die Idealvorstellung nicht den Realitäten zu opfern. Für mich zählt das
Ergebnis, nicht die Person.

 

14. Was sind Ihre nächsten Projekte?

Die gleichen wie die letzten Projekte: die Förderung von Wissen bei Diskussionen von Nutzen und Risiken von Arzneistoffen und Nahrungsmitteln. Das Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik gibt mir hierzu eine Basis. Mit diesem Hintergrund will ich weiterhin gegen den alltäglichen Wahnsinn ankämpfen, wie zum Beispiel der Verteufelung von Zimtsternen ohne rationale Grundlage, während gleichzeitig der Nichtraucherschutz im Sande verläuft.

 

15. Was trifft Sie ins Mark?

Lügen und bewusste Unehrlichkeit. Ich kann vertragen, wenn in einer Diskussion Dinge ungesagt bleiben, nicht aber, wenn politische Ergebnisse durch die ständige Wiederholung falscher Tatschen durchgepeitscht werden. Reine Dummheit kann ich verzeihen, bewusste und medienwirksame Falschdarstellungen nicht.

 

16. Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Kinder – wie jeder Vater es sein sollte…

 

17. Was ist Ihre Lieblingsstadt?

Ich bin eine Landpomeranze und werde es immer bleiben. Ich ziehe das Grün der Wälder und das Krähen der Hähne dem Verkehrslärm und der Betonwüste der Städte vor. Wenn ich aber eine Stadt wählen müsste, so kämen in Deutschland München oder Hamburg in Frage – beide Städte, die sich nach meiner Erfahrung noch eine gewisse Natürlichkeit bewahrt haben.

 

18. Was ist Ihre Lieblingsmusik?

Musik, die eine echte Dynamik entfaltet wie die Musik der Romantik – Mendelssohn, Schumann, Brahms, Dvorak. Gern auch modernere Dinge, sofern sie gut komponiert sind, wie z.B. die grandiose Filmmusik zu Herr der Ringe von Howard Shore.

 

19. Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Bücher, die mich zum Nachdenken anregen, wie Eva Luna von Isabel Allende. Die Originalfassung ist einfach unschlagbar. Klasse finde ich auch „Tod und Teufel“ von Frank Schätzing, „Der Medicus“ von Noah Gordon oder „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett. Diese Bücher haben eines gemeinsam: sie sind sprachgewaltig und haben einen runden Handlungsbogen. Ansonsten habe ich weniger ein Lieblingsbuch als Lieblingsautoren, von denen ich weiß, dass sie mich nicht enttäuschen, z.B. die Krimis von Kathy Reichs oder die Bücher von Frederick Forsyth, den ich für den ungeschlagen besten Autor von Politthrillern aller Zeiten halte.

 

20. Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

1) Ich bin mit Leib und Seele … Mensch.

2) Wenn ich morgens aufwache, brauche ich … einen guten Schwarztee – nur keinen Filterbeutel!.

3) Im Sportverein/Fitnesscenter bin ich … nie zu sehen, was ich mit schlechtem Gewissen zur Kenntnis nehme.

4) Die Menschen sollten besser … nachdenken, bevor sie reden.

5) Vom öffentlichen Gesundheitswesen erwarte ich mehr … Orientierung an den Fakten als an politischen Idealen.

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